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11.08.2020

Wasserversorgung in Bad Sachsa ist sicher

„Die Trinkwasserwasserversorgung in Bad Sachsa durch die Stadtwerke Bad Sachsa ist auch im Sommer gesichert“, erklärt Martin Völz, Geschäftsführer der Stadtwerke, in Reaktion auf die bundesweiten Meldungen zur allgemeinen Wasserversorgung. Die Wasserversorgung in Bad Sachsa wird durch verschiedene Standbeine, dazu gehören Tiefbrunnen, Quellen und bis kürzlich auch Oberflächenwasser aus der Talsperre Steina, sowie ergänzend durch eine Reserveleitung aus dem Pöhlder Becken, sichergestellt. Jede dieser Versorgungswege bringt Vor- und Nachteile mit sich und unterliegt einer eigenen Kostenstruktur und Wirtschaftlichkeit.

 

Die Sicherstellung der Versorgung der Bevölkerung mit Wasser gemäß der Trinkwasserverordnung,  für den menschlichen Gebrauch und in ausreichender Menge, hat oberste Priorität für die Stadtwerke Bad Sachsa. Für die Trinkwasserverordnung spielt es allerdings keine Rolle, ob das Wasser hart oder weich ist. „In den Nachbargemeinden und Landkreisen geben die Wasserversorger teilweise Werte bis 18 °dH und somit höhere Werte als in Bad Sachsa an, so dass Aussagen, wie z.B. dass man alle paar Tage seinen Wasserkocher entkalken müsse, von uns nicht nachvollziehbar.“, so Völz.

 

Die Nutzung oder Nichtnutzung der Talsperre Steina wird in der Bevölkerung und Politik in den letzten Monaten immer wieder kontrovers aus den unterschiedlichsten Interessenlagen heraus diskutiert. „In diesem Zusammenhang ermutige ich jeden dazu, einmal darüber nachzudenken, warum wir als wirtschaftlich handelndes Unternehmen momentan wohl auf das in Relation günstige und beliebte Oberflächenwasser der Talsperre verzichten und stattdessen durch das im Vergleich teurere Wasser aus Tiefbrunnen, was erst gefördert und nach Bad Sachsa gepumpt werden muss, substituieren“, ruft Völz auf. Hintergrund des Verzichts ist, wie bereits berichtet, eine Untersagung der Betriebswiederaufnahme durch das Gesundheitsamt Göttingen im Februar dieses Jahres. Hierzu liegen die Stadtwerke seitdem mit dem Gesundheitsamt auf allen Ebenen im Disput. Ursächlich für diesen Disput ist die unterschiedliche Betrachtungsweise, wie und in welchem Zeitraum die immer strenger werdenden gesetzlichen Auflagen und Anforderungen an das Trinkwasser auf Basis EU-rechtlicher Vorgaben umgesetzt werden müssen. „EU-Recht gilt ja für alle EU-Länder, aber es hilft leider nicht, die Frage aufzuwerfen, warum denn das Leitungswasser unserer südlichen EU-Partner bis heute nicht trinkbar ist“, so Völz. „Letztendlich sind wir sogar auf einer Linie mit dem Gesundheitsamt, nur eben erst in der mittel- bis langfristigen, nicht aber in der kurzfristigen Betrachtung“, so Völz weiter.

 

Die Talsperre speist sich aus dem Wasser der Steina, so dass ihre Leistung direkt abhängig von der Wasserzufuhr der Steina abhängig ist, welche gerade in den letzten 10-15 Jahren im Sommer stark zurückgegangen ist. Wer jetzt im Steinatal wandert, kann das Fehlen des Zuflusses der Steina direkt wahrnehmen, ebenso wie die Veränderung des Waldes.

 

Die die Talsperre ist daher zuletzt meist nur 8-9 Monate im Jahr in die Versorgung eingebunden. Ergänzend wurde die Talsperre temporär vom Versorgungsnetz getrennt, entweder wenn die Rohwasserqualität eine Aufbereitung nicht mehr zu ließ oder regelmäßig nach der Trinkwasserverordnung zu kontrollierenden mikrobiologischen Parameter Auffälligkeiten zeigten. Diese Unterbrechungen haben in den letzten Jahren zugenommen und waren Anlass des Handelns des Gesundheitsamts, das seit der Kreisfusion eine sehr enge Auslegung der gesetzlichen Vorgaben verfolgt. Die nachweislich zunehmende Trockenheit ist allerdings ein wesentlicher Grund der Zunahme der Verunreinigungen. Bedingt durch die Trockenheit sind viele Bäume in ihren Abwehrkräften geschwächt und dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen. 

Es kam zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Waldökosystems im Steinatal, nachdem mehrere tausend Festmeter Wald aufzuarbeiten waren und sind.

 

Durch das Fehlen großer Waldflächen im Wassereinzugsgebiet entfällt eine Art „Vorfilterfunktion“ und das Wasser fließt direkt in die Flussläufe wie die Steina. Hinzukommt, dass nun der Boden stärker austrocknet und durch die reaktivierten  Forstwirtschaftwege, bei Regen wie Drainagen wirken und Waldboden verstärkt mit in die Flussläufe gespült wird. Das wiederum führt zu verstärkten Trübungen sowie Verunreinigungen des Wassers in der Talsperre. Gleichzeitig bekommen Algen in der Talsperre ein Nährstoffüberangebot. Bereits vor der Untersagung des Weiterbetriebs der Talsperre  beschäftigen sich die Stadwerke mit verschiedenen Lösungsansätzen für eine zukünftige Ausrichtung. Hierbei wurde neben Varianten verschiedenster Hersteller. Mit Blick auf die schwankende Rohwasserqualität und zukünftigen gesetzlichen Vorgaben ist eine moderne, hochwirksame Filteranlage notwendig, die nach aktuellem Planungsstand ca. Mio. € 2 kostet. „Diese Investition müsste ja zusätzlich zu den normalen Betriebskosten erwirtschaftet werden, da kann sich jeder Ausmalen, wie viel Wasser bis zur Amortisation abgesetzt werden muss“, erläutert Völz.

 

Die klimatischen Veränderungen und die zwangsweise erfolgte Außerbetriebnahme der Talsperre in Steina nahmen die Stadtwerke zum Anlass,  das  noch aus den 60iger Jahren stammenden Wasserversorgungskonzept der Stadt Bad Sachsa nach heutigen Maßstäben zu überarbeiten.

 

Auf Basis des neuen Wasserversorgungskonzeptes für die Stadt Bad Sachsa werden dann seitens der Gesellschaft die Handlungsstrategien erarbeitet, die dann zuerst mit den Gesellschaftsgremien, insbesondere den Aufsichtsrat, beraten und auf Grund der elementaren Bedeutung des Themas Wasserversorgung danach auch mit dem Rat der Stadt Bad Sachsa weiter abgestimmt werden.

 

Der historische Hintergrund zur Talsperre ist offensichtlich nur noch teilweise korrekt präsent. Das ganz besonders trockene Jahr 1949 zwang bereits den Wasserleitungsverband Südharz,  sich mit einer Speicheranlage zur Überbrückung von Trockenzeiten zu beschäftigen. Zudem wollte sich die Gemeinde Osterhagen, welche aufgrund der Trockenheit mit ihren eigenen Gewinnungsanlagen ebenfalls mit der Trockenheit zu kämpfen hatte, dem Verband als Abnehmer anschließen. 

Eine entsprechende Planung wurde 1952 aufgenommen und  Fördermittel wurden beantragt. Nach Problemen mit der Abdichtung des Dammes konnte die Talsperre 1958/59 in Betrieb gehen.

Wurde Wasser früher vornehmlich für die Viehwirtschaft benötigt, führten der zunehmende Tourismus und die gesteigerten Anforderungen an den häuslichen Bedarf schnell zu höheren Wasserabgaben als ursprünglich geplant. Insofern ist die die Talsperre mittlerweile zu klein, den Bedarf über mehrere Trockenmonate vollständig zu decken. Die in den Berichten angeführte  Abgabe von 2Tcbm pro Tag steht in keinem Zusammenhang mit der aktuellen Anlagenkonfiguration und dem tatsächlichen Wasserdargebot.

 

„Die von uns eingeschlagene Vorgehensweise ist aus unserer Sicht die einzig Sinnvolle, alles andere ist tendenziöser Populismus, für den wir als Unternehmen keinen Spielraum haben“, so Völz abschließend.

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